Podcastfolge | Julia Kümmel von Making things happen über Agilität als Digitalisierungstreiber

Vorstellung der Person__

Julia Kümmel bezeichnet sich selbst als pragmatischen Typ, wenn es um den Einsatz von digitalen Tools geht – zuhause wird der Alltag mit Zwillingen deshalb ganz einfach via Kanban organisiert. Die ehemalige Global Digital Marketingchefin von Zalando hat bereits diverse Top-Unternehmen bei der agilen Transformation begleitet und sich letzten Endes mit diesem Thema selbstständig gemacht. Als Coach und Beraterin gilt sie als absolute Koryphäe, wenn es um das Thema Agilität geht. Mit ihrem Studio „Making things happen“ hat sie es sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen auf dem Weg zu reibungslosen Abläufen, iterativen Entwicklungszyklen und Innovationsführerschaft zu begleiten.

Julia Kümmel von Making things happen beim Podcast JAD - Blogbeitrag

„Ich stelle gerne die Frage: Wie schnell könnt ihr ein neues Business-Modell anbieten? Das zeigt, wie agil ein Unternehmen wirklich ist.“

Julia Kümmel, ehemals Global Digital Marketing Lead von Zalando, jetzt selbstständige Beraterin für Agilität

Thema: Agilität als Digitalisierungstreiber__

Agile, Lean, Scrum … alles Bullshit-Bingo? „Von wegen!“, erklärt die ehemalige Zalando-Global-Digital-Marketingchefin Julia Kümmel. Wo früher Lastenhefte geschrieben und zwei Jahre entwickelt wurde, finden wir heute iterative Entwicklungszyklen mit Deployments im Sekundentakt. Wie konnten wir diese Geschwindigkeit erzielen? Wir klären auf und sprechen über die Bedeutung von agilen Methoden und Prozessen und warum ohne eine agile Transformation häufig keine digitale Transformation möglich ist. Wir diskutieren mit Julia über die Herausforderungen verschiedener Branchen, warum bestimmte Unternehmen „agile-by-nature“ sind, was die OKR-Methode (Objectives and Key Results) wirklich kann und wieso es sinnvoll ist, agile Transformation maßgeschneidert zu denken.

Podcastfolge anhören

Just add your 2 cents: 5 schnelle Fragen an Julia Kümmel__

  1. Wer inspiriert dich in deiner täglichen Arbeit und von wem kannst du lernen? Lernen kann ich von vielen verschiedenen schlauen und klugen Leuten. Um mal zwei zu nennen: Christina Wodtke, die Autorin von „Radical Focus“, einem sehr kompakten und gut geschriebenen Buch über OKR. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der in das Thema reinstarten möchte. Inzwischen schreibt Christina das Buch neu, da sie gemerkt hat, dass sich das Thema weiterentwickelt hat. Weil es eben sehr viele Unternehmen ausprobiert haben und sie macht jetzt die nächste Iteration ihres Buchs und bringt ihre ganzen neuen Erfahrungen ein – das finde ich ein sehr schönes Mindset. Alles was aus dem Hause Osterwalder kommt: Strategyzer, Value Proposition Design, Testing Business Ideas – diese ganzen Themen und Ideen, bei denen es um Nutzerzentrierung (ursprünglich eigentlich in der Produktentwicklung) geht. Diese Themen finde ich alle wahnsinnig inspirierend, auch um diese in das Marketing zu übersetzen und zu nutzen. Da kann man sich aus der digitalen Produktentwicklung eben einiges abschauen. Aber mich inspirieren auch innovative Unternehmer, wie z. B. Tobias Lütke, der Shopify gegründet hat und meiner Meinung nach einer der Hidden Champions im deutschen Startup-Markt ist. Obwohl Shopify gar kein Startup mehr ist, sondern eine der größten Firmen der Welt. Was ich hier spannend finde ist, dass wenn man z. B. den Gründer nach KPIs fragt, dann stellt er den Nutzer und diese entsprechenden KPIs in den Fokus. Diese Perspektive finde ich inspirierend und großartig, gerade weil man sieht, wie erfolgreich er damit ist.
  2. Welche neuen Business-Modelle findest du spannend? Was ich mir in letzter Zeit immer wieder genau anschaue und was ich auch durch meine persönliche Erfahrung in der Fashion-Branche spannend finde, sind die ganzen Themen rund um Fast Fashion vs. Second-Hand-Marktplätze. Einige von den Second-Hand-Marktplätzen gibt es ja schon seit einigen Jahren, wie z. B. Kleiderkreisel. Der Mutterkonzern gehört zu einem der größten Unicorns in Europa und packt real existierende Themen in der Gesellschaft an. Eben, dass das Thema Fast Fashion nicht effizient ist und nicht für immer funktionieren kann und sollte, wenn wir in unserer Umwelt so weiterleben wollen. Diese Art von Plattformen sehe ich mir an und finde das sehr spannend. Auf der anderen Seite schaue ich mir aber auch gerne Dinge an, die mir das Leben einfacher machen. Wie z. B. Doctolib, eine Plattform, die es einem ermöglicht, Arzttermine online zu buchen, auch bei Spezialisten. An sich sind das zwar unterschiedliche Themenbereiche, aber beide haben den Plattform- bzw. Modellgedanken, der auf bereits existierenden Dingen (wie z. B. Google-Kalender) aufbaut.
  3. Welche Technologie findest du im Kontext der Digitalisierung interessant? Das Internet finde ich immer noch eine der spannenden Technologien! Aber sonst, eher bezogen auf die Zukunftsperspektive, finde ich Quantencomputer ein interessantes und spannendes Thema, ohne mich darin besonders gut auszukennen. Insbesondere vor dem Hintergrund, weil es uns ermöglichen wird – sobald es richtig gut funktioniert – mehr Rechenleistung zu nutzen. Und das wird nochmal einen nächsten Layer auf so ziemlich alle Technologien legen, die wir momentan nutzen. Gerade wenn man sich so Themen wie Artificial Intelligence vor 15 Jahren und heute anschaut, sieht man die Sprünge, die allein durch die Rechenleistung ermöglicht wurden. Ganz konkret interessiere ich mich schon seit mehreren Jahren für das Thema Artificial Intelligence bzw. Machine Learning. Da habe ich bei Zalando auch schon Projekte im Research und Project-News-Bereich gemacht, bei denen es darum ging, Maschinen ein Stück Intelligenz einzuhauchen und auf Basis von Markt- und Trenddaten und Nutzerverhalten „customized“ Fashion Design zu machen.
  4. Was ist deiner Meinung nach der größte Irrtum in der Digitalisierung? Vielleicht, dass nicht alles digitalisiert werden muss. Das ist etwas, was ich aus der Nutzerperspektive, aber auch in meinem beruflichen Werdegang als „Digitalo“, also jemand, der digitale Tools sehr häufig verwendet, so sehe. Es kommt ein Stück weit darauf an, für was die Lösung sein soll. Beim Kundenservice z. B. ist die One-to-One-Kommunikation manchmal wichtiger und da geht es dann nicht darum, diese zu digitalisieren. Wir sehen die One-to-One-Kommunikation auch als Trend und dass wieder mehr Wert daraufgelegt wird, dass der Kunde ein gutes Erlebnis hat.
  5. Welche Literatur kannst du empfehlen? Ich browse und lese grundsätzlich sehr gerne und viel. Die Plattform „Medium“ benutze ich in den letzten Monaten und Jahren sehr häufig. Sonst sehe ich den Trend zurück zu Twitter. Auf der Plattform war ich sehr lange unterwegs, bis ich dann irgendwann Instagram genutzt habe. Aber inzwischen bin ich wieder bei Twitter gelandet, weil es mir fehlt, unkomplizierten Input zu bekommen. Aus dem Marketing-Blickwinkel gefallen mir die ganzen Podcasts und Masterclasses sehr, z. B. die OMR-Sachen aus Hamburg von Philipp Westermeier und seinem Team rund um die Online Marketing Rockstars. Und tatsächlich lese ich manchmal auch Business- und Wirtschaftsmagazine wie das Harvard Business Review, bei denen es zu bestimmten Themen Case Studys gibt. Das hilft auch manchmal, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Wo würdest du digitalisieren, wenn es keine Grenzen gäbe, was Budget, Technologie oder Sicherheit angeht?

Also neben meinem Öko-Food-Lieferdienst (der leider einen ganz miserablen Online-Shop hat, der aber natürlich auch nur ein kleiner Bauernhof ist und immerhin einen Online-Shop hat) und dem Einwohnermeldeamt in Berlin – bzw. der Verwaltung allgemein – wo man eben wegen Kleinigkeiten immer hingehen muss, ohne dass es sich mir ganz erschließt, warum, … gibt es schon eine Sache die mir fehlt … Wenn ich die Kapazitäten und Ressourcen dafür hätte, könnte ich mir vorstellen, mir darüber Gedanken zu machen, wie News und Informationen aus der digitalen Presse einfacher zum Nutzer kommen. Weil, was ich bei mir selbst beobachte ist, dass ich sehr unzufrieden bin mit den verschiedenen News-Plattformen und Abos. Gerade wenn ich nur einen Artikel von einem Anbieter lesen möchte, mich dafür aber anmelden muss und wieder etwas zahlen muss. Eigentlich bietet das Internet eine umfangreiche Plattform-Möglichkeit und diese Modelle haben ja auch einen großen Erfolg. Hier ist mir noch nicht ganz klar, warum das für den News und Informationsbereich noch nicht passiert.

„Es geht uns nicht darum, den Kunden zu gewinnen und an Bord zu holen, sondern es geht uns auch darum, ihn zu halten und als Markenbotschafter zu gewinnen. Weil das ist, was man im Endeffekt möchte: Dass die Leute über einen sprechen.“

Julia Kümmel, selbstständige Beraterin für Agilität

Julia Kümmel, Making things happen - Zitat Agilität

Shownotes__

03:52Herausforderungen im digitalen Marketing bei Zalando
06:10„Age of Touch“
07:12Kundenzentrierung bei Zalando
09:08Agilität als Schlüssel zur Kundenzentrierung
12:28Maßgeschneiderte agile Transformation
14:22Branchenspezifische Anforderungen an agile Prozesse
15:43Häufige Fehler beim agilen Arbeiten und wie sie sich vermeiden lassen
18:50Wie agiles Arbeiten Continous Deployment ermöglicht hat
20:30Erfolgsfaktor Leadership in der agilen Transformation
21:32Die OKR-Methode und wie man sie einsetzt
28:01Just add your 2 cents – 5 schnelle Fragen

Links zur Folge__

  1. “Radical Focus” von Christiana Wodtke
  2. Alex Osterwalder
  3. Tobias Lütke – Gründer von Shopify
  4. Second-Hand-Plattform Kleiderkreisel
  5. Plattform um Arzttermine online zu buchen
  6. Digital Masterclasses OMR – BlogEvents

Diese Podcastfolge ist auch verfügbar bei:

Weitere Podcastfolgen im Almato-Blog__

Just add digital to your mailbox__

Erhalten Sie alle Neuigkeiten rund um Almato, Projekte und Neues zum Thema Digital Enterprise im Almato-Newsletter.

Kontakt

sales@almato.com
+49 711 62030-400

Kontakt